Aus dem kalten Süd-Korea ging es direkt weiter ins warme Thailand. Nach einem anstrengenden Semester und ein paar sehr emotionalen Wochen, war das Muay Thai Trainingslager in Phuket eine willkommene Ablenkung. In diesen zwei Wochen an der berühmten Fitness-Street war mein Alltag geprägt vom Training. Dennoch konnte ich ein paar tolle neue Leute kennen lernen und unvergessliche Erfahrungen sammeln.
Eagle Muay Thai
Zunächst war ich mir unsicher in welchem Gym ich trainieren sollte. Die Auswahl war riesig, denn entlang der Fitness-Street und auch im Rest von Phuket gab es unzählige Vereine. Mehr oder weniger zufällig wählte ich ein Probetraining bei Eagle Muay Thai. Die dortige Atmosphäre gefiel mir direkt so gut, dass ich entschied die erste Woche dort zu trainieren. Das Team hatte eine tolle Mischung aus Herzlichkeit und motivierten Kämpfern aus aller Welt, sodass ich nach der ersten Woche entschied, den gesamten Zeitraum bei Eagle Muay Thai zu trainieren.

Buddha Run
Trotz des schweißtreibenden Trainings hatte ich viel Spaß und konnte mich von Tag zu Tag verbessern. Besonders gefallen hat mir, dass neben dem harten Conditioning auch immer wieder kleine Wettkämpfe und Teambuilding-Aufgaben, wie beispielsweise Tauziehen, auf der Tagesordnung standen. Am Mittwoch der ersten Woche stand eine ganz besondere körperliche Herausforderung auf dem Plan – der Budda Run. Ein Lauf bei dem das ganze Team am Fuß eines Berges startet mit dem Ziel die Budda Statue auf der Bergspitze zu erreichen. Die Strecke umfasst 5 km und fast 400 Höhenmeter und führt vorbei an Elefanten und Affen. Oben angekommen, wartete, neben gesteigertem Teamgeist und Stolz auf die eigene Leistung, eine unglaubliche Aussicht.



Never Fight Alone
Unsere bunt zusammengewürfelte Gruppe aus Kämpfern wuchs schnell zu einem richtigen Team zusammen. Das Motto von Eagle Muay Thai „Never Fight Alone“ zog sich durch jedes Training, jeden Plausch nach den anstrengenden Einheiten und, wie sich später auch zeigen sollte, durch jeden Kampf. In der Zeit habe ich ein paar unfassbar nette und interessante Menschen kennengelernt, mit denen ich hoffe auch weiterhin in Kontakt zu bleiben.
Für jede Nation, die derzeit unter den Trainierenden und Kämpferinnen vertreten war wurde eine Flagge im Gym aufgehangen.


Eine ganz besondere Rolle in der Zeit hatte mein Trainer. Seine ganz eigene, lustige Art sorgte jeden Tag aufs Neue für gute Laune und den ein oder anderen Lacher. Den einen Tag kommt er mit Blumen als Kopfschmuck zum Training, einen anderen öffnet er dir eine Kokosnuss mit der Machete und zieht plötzlich eine goldene Spielzeugpistole aus dem Gürtel.
Mein erster Muay Thai Kampf
Das unangefochtene Highlight und gleichzeitig der krönende Abschluss meiner Zeit in Thailand war mein erster Muay Thai Kampf. Einige Tage zuvor hatte ich den Trainer gefragt, ob denn die Möglichkeit bestünde kurzfristig noch einen Kampf zu organisieren. Wenige Whatsapp-Nachrichten später hingen Plakate mit meinem Gesicht entlang der Fitness-Street. Trotz der ermutigenden Worte meiner Trainingskollegen war ich ziemlich nervöse, insbesondere weil ich noch nie vor einer derart großen Menschenmenge in einem richtigen Stadion gekämpft habe.
Glücklicherweise kamen sowohl die Trainer als auch alle meine Freunde von Eagle Muay Thai mit zum Bangla Stadium, um mir den Rücken zu stärken und mich anzufeuern. Dank der Unterstützung konnte ich selbstbewusst in den Ring steigen und das Chaos des Kampfes sogar ein bisschen genießen. Mit einem rechten Konter in der ersten Runde konnte ich meinen Gegner dann auch durch TKO besiegen und meinen ersten Sieg feiern.







Das Leben abseits des Rings
Trotz der zwei Trainingseinheiten jeden Tag, versuchte ich meine Freizeit so gut es geht zu nutzen, um ein paar Eindrücke von Thailand und Phuket zu bekommen.
Die bunte Küche Thailands
Besonders beim Essen konnte ich mich ausprobieren, denn irgendwo mussten die 4000+ kcal täglich ja herkommen. Ich probierte viele kleine familiengeführte Läden aus, die mich alle herzlich empfingen und mir viele neue, unfassbar leckere Gerichte zeigten. An der ein oder anderen Stelle waren mir allerdings ein paar Chili-Schoten zu viel im Essen.




Mit dem Roller über die Insel

Sonntags war immer der Ruhetag und es gab kein Training. An diesen Tagen habe ich mir ganz spontan einen Roller geschnappt, bin einmal quer über die Insel gedüst und habe mich zwischendurch an den schönsten Stränden in die Sonne gelegt. Und wie es in Thailand wohl einfach dazugehört, durfte auch ein kleiner Rollerunfall nicht fehlen, zum Glück ist nichts weiter passiert.


Das Katzen-Cafe am Rande der Welt

Fast jeden Tag habe ich mir auf dem Weg zum Training einen Kaffee an einem kleinen Straßenstand geholt. Oft bin ich noch geblieben, habe ein bisschen gelesen oder mich mit der Besitzerin unterhalten, die ihr Café mit so viel Liebe führt. Ihre Geschichte hat mich besonders berührt: Früher war sie Managerin bei Honda, doch nach dem Tod ihres Vaters hat sie alles hinter sich gelassen, um ihre Mutter besser pflegen zu können und kurzerhand ein kleines Café direkt vor ihrer Haustür eröffnet.
Als sie erfahren haben, dass ich kämpfen werde, waren sie und ihre Mutter völlig begeistert. Ich sollte sogar ein Foto mit ihrer Mutter für deren Facebook-Seite machen. Ein Moment, der mir definitiv im Kopf bleiben wird. Später erzählte mir die Besitzerin, dass ihre Mutter extra für mich gebetet hat. Irgendwie hat sich dieser kleine Zwischenstopp damit jedes Mal wie ein bisschen mehr als nur ein Kaffee angefühlt.

Weitere Eindrücke aus Thailand










