Shenzhen – Zwischen Skyline und Palmen

Kurz vor Weihnachten ging es für mich nochmal ins Warme. Zwischen den Abschlussprüfungen und Final Assignments bin ich zusammen mit einer Freundin nach Shenzhen geflogen. Die bis zu 27 °C waren eine willkommene Abwechslung zum mittlerweile doch sehr kalten Wetter in Shanghai.

Shenzhen ist eine Stadt der Superlative, die zwischen grünen Bergen und dem Südchinesischen Meer eingebettet liegt. Diese einzigartige Lage formt eine Metropole, die sich vor allem in die Breite erstreckt. Eine Fahrt mit der Metro von einem Ende zum anderen kann leicht zwei Stunden dauern, doch jede Minute lohnt sich.
Shenzhen ist eine pulsierende Mischung aus hypermoderner Technologie und dem entspannten Charme einer tropischen Küstenstadt. Palmen säumen breite Boulevards, während im Hintergrund futuristische Wolkenkratzer glitzern. Diese Dynamik hat einen klaren Ursprung: Shenzhen war Chinas erste Sonderwirtschaftszone und wandelte sich in nur wenigen Jahrzehnten vom Fischerdorf zur globalen Innovationsschmiede.
Der technische Puls der Stadt ist überall spürbar – ob in den riesigen Elektronikmalls, wo man jedes erdenkliche Bauteil findet, oder auf den Straßen, wo verschiedenste autonome Roboter sich leise surrend ihren Weg bahnen.


Tag 1

Nach einem doch sehr frühen Flug kamen wir etwas müde, aber voller Tatendrang in der Stadt an. Die Sonne strahlte und unter den Palmen war der Wintereinbruch in Shanghai schnell vergessen.

Abends ging es auf den Nanshan, den Süd-Berg, in der Hoffnung den Sonnenuntergang über dem Meer zu beobachten. Auf dem Weg dorthin trafen wir einen sehr gesprächigen Chinesen mit dem wir unsere neuen Vokabeln üben konnten. Nach einem sehr schweißtreibenden Aufstieg, war der erhoffte Sonnenuntergang dann aber leider sehr unspektakulär. Dafür haben wir einen wirklich netten Sprach-Buddy gefunden, der uns noch regelmäßig Bilder von seinen Reisen schickt.


Tag 2

Die vielen Treppenstufen und Schritte des vorherigen Tages noch in den Beinen, haben wir uns am zweiten Tag das „Window of the World“ angeguckt. In typisch chinesischem Kitsch sind Wahrzeichen und Straßen aus aller Welt nachgebaut. Viele allerdings etwas zu bunt und märchenhaft für meinen Geschmack.

Abends ging es dann auf den nächsten Berg, um sich Shenzhens atemberaubende Lightshow anzuschauen. Um 19 Uhr, 20 Uhr und 21 Uhr erstrahlt die ganze Innenstadt mit passender Musik untermalt und bunten Farben.


Tag 3

Am dritten Tag ging es vormittags an den Strand. Wer in Deutschland kann schon von sich behaupten 4 Tage vor Weihnachten noch im Meer schwimmen gewesen zu sein? Mit 27 °C lud das Wetter zum Abkühlen im Südchinesischen Meer ein. Obwohl es wirklich warm war, waren nur wenige Menschen im Wasser – das lag zum einen an den meterhohen Wellen, zum anderen aber auch daran, dass die meisten Chinesen gar nicht so gerne schwimmen gehen. Uns hielten aber weder Wellen noch das Schwimmverbotsschild auf.

Als 外国人 (wàiguórén) durfte die anschließende Fotosession natürlich nicht fehlen.

Zwischen Sand, Wellen und Kniffel haben wir leider die Zeit etwas aus den Augen verloren, was den letzten Punkt auf der Tagesordnung nochmal deutlich erschweren sollte. Geplant war eigentlich einen, diesmal hoffentlich schöneren, Sonnenuntergang auf dem Wutong Shan mitzuerleben. Der Aufstieg stellte sich allerdings als deutlich schwieriger heraus als ursprünglich geplant – insbesondere bei schwindendem Tageslicht. Zudem war das Schild mit den zahlreichen Giftschlangen, die auf der Strecke leben nicht gerade ermutigend. Der steinige, sandige Aufstieg sollte aber nicht das größte Problem der Wanderung bleiben, denn was passiert nach dem Sonnenuntergang? Richtig, es wird dunkel, sodass der Weg zurück noch einmal ganz andere Dimensionen annahm. Dennoch schafften wir auch den Abstieg unfallfrei. Für die Aussicht und die Bilder haben sich die Strapazen auf jeden Fall gelohnt.


Tag 4

Der letzte Tag begann, wie so oft, mit einer langen Metro-Fahrt. Ziel war die Dongmen Pedestrian Street. Die Reizüberflutung in dieser Einkaufsstraße ist nur schwer in Worte zu fassen. Die Straße ist gefüllt mit Menschen, rechts und links verkaufen kleine Straßenläden die verschiedensten Snacks, an jeder Ecke leuchten Neon-Lichter und überall versuchen die Verkäufer die Menschen durch Rasseln, Hämmern, Schreien, Winken oder Singen in ihre Läden zu leiten. Mit ein paar Postkarten verließen wir die Pedestrian Street daher recht schnell wieder.

Wenngleich zuvor nicht allzu viel Weihnachtsstimmung aufkam, so wollte ich dennoch ein paar Geschenke für meine Familie kaufen. Neben den Elektronik-Malls gibt es in Shenzhen nämlich auch riesige Fake-Malls in denen man in einem der zahlreichen Läden, um echt aussehende Gucci, Moncler oder Louis Vuitton Kleidungsstücke feilschen kann – das perfekte Geschenk für den kleinen Bruder in der Frühpubertät.


Shenzhen hat mit Sonne, Technik und Natur einen starken Kontrast zum Winteralltag in Shanghai geboten. Eine kurze Reise, die trotz kleiner Umwege lange in Erinnerung bleibt…

Die Technik-Mall ist gefüllt mit kleinen Läden, die vom Kondensator bis hin zur Drohne alle verkaufen
Roboter zur Überwachung der Parks
Autonome Straßenkehrmaschinen