Chongming – Die Grüne Insel mit Großstadtformat

Den zweiten Teil meines Urlaubs unternahm ich mit meinem neuen Fahrrad. Es galt die Insel Chongming im Norden Shanghais zu erkunden.
Chongming ist Shanghais grüne Oase – eine friedliche Inselwelt, die mit ihrem langsamen Lebensrhythmus einen willkommenen Kontrast zum hektischen Großstadttrubel bildet. Hier erwarteten mich weitläufige Feuchtgebiete, die als Paradies für Zugvögel dienen, traditionelle Fischerdörfer und sanft dahin plätschernde Flusslandschaften. Ich konnte das ländliche China entdecken und frische Luft in diesem einzigartigen Naturschutzgebiet direkt vor den Toren der Megacity tanken.

Doch zunächst musste ich mich 25 km durch Shanghai kämpfen, bevor ich in einem Industriegebiet die Fähre über den Jangtsekiang (Chinas Längsten Fluss) nahm. Während der anderthalb Stunden langen Überfahrt konnte ich frühstücken und neue Kraft für die Umrundung der Insel sammeln.

Auf der Insel angekommen ging es dann richtig los. Chongming war ideal zum Fahrradfahren: Glatte Straßen, sichere Fahrradwege, tolle Landschaften und wenig Verkehr. Dazu bot die Insel eine atemberaubende Kulisse. Ich fuhr durch kleine Dörfer, vorbei an Reisfeldern, Obstplantagen, kleinen Wäldern, dschungelartigen Alleen und kleinen Flüssen.

Die vielen Eindrücke, die wunderschöne Natur, das angenehme Fahren mit meinem neuen Rad und das super Wetter ließen mich Kilometer um Kilometer fahren, sodass ich gar nicht mehr anhalten wollte .

Nach insgesamt 100 km hatte ich die halbe Insel umrundet und traf in meiner Unterkunft für die Nacht ein: Einer beschaulichen Farmhütte mit mehreren Gästezimmern. Im nahe-gelegenen Dorf gab es dann noch ein sehr leckeres Abendessen. Die Stimmung im kleinen Restaurant war ausgelassen und gefühlter Maßen traf sich das ganze Dorf zum Essen. Der ein oder andere Dorfbewohner warf mir einen amüsierten Blick zu und beobachtete belustigt wie ich verzweifelt versuchte meinen Fisch mit Stäbchen zu essen.


Tag 2

Erholt und ausgeschlafen war ich bereit die zweite Hälfte der Insel zu erkunden. Mit der Sonne im Rücken (darauf komme ich unten nochmal zu sprechen) machte ich mich auf in Richtung Westen. Auf meinem Weg besuchte ich einen Obstgarten, dem man das Ende der Saison bereits anmerkte. Abgesehen von einem einzelnen Arbeiter und ein paar kargen Bäumen war nicht mehr viel zu sehen und kaum noch Obst zu ernten. Dennoch war es spannend zu sehen wo und wie die Früchte, die ich täglich im Supermarkt oder im Obstladen vor der Uni kaufe, wachsen.

Rechts und links an den Straßen standen immer wieder Bauern und verkauften ihr Obst und Gemüse. Nachdem ich zum ersten Mal in meinem Leben gesehen habe wie Drachenfrüchte wachsen, musste ich in meiner Mittagspause an einem solchen Stand eine Frucht probieren.

Allerdings schlichen sich erste Verschleißerscheinungen ein und ich merkte mehr und mehr, wie mein Körper mit der Hitze und dem vielen Fahrradfahren kämpfen musste. Dennoch genoss ich die Fahrt und erreichte nach etwa 90 km die Stadt Chongming.

Dort angekommen wollte ich unbedingt den traditionellen Reiskuchen probieren. Die an Knete erinnernden, klebrigen Reiskugeln sind eine lokale Spezialität und waren tatsächlich sehr lecker. Leider konnte ich nur je einen mit Bohnen- und Dattelfüllung probieren, da die kleine, chinesische Oma, welche sich in der Schlange vor mich geschoben hat, mir den letzen Teigball der anderen Sorte wegkaufte.

Gestärkt ging es dann zurück auf die Fähre und im Dunkeln über die Straßen Shanghais zurück zum Campus. Dort angekommen bemerkte ich vor dem Duschen noch, wie stark die Sonne doch geschienen haben muss, sodass ich jetzt für die nächsten Tage und Wochen noch eine kleine Erinnerung an den Ausflug auf dem Rücken trage.