Vom 28. Mai bis zum 1. Juni ging es für mich nach Peking – im Gepäck vor allem ein Ziel: ein 31km-Trailrun über die Chinesische Mauer. Neben dem Lauf blieb auch Zeit, die Stadt und ihre Geschichte zu erkunden, aber der Höhepunkt der Reise war für mich von Anfang an klar gesetzt.
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Den Lauf habe ich eher durch Zufall gefunden und bei der Anmeldung war mir noch nicht ganz klar, worauf ich mich da eingelassen hatte. Die Strecke führte über die Wild Wall – nicht die bekannten, restaurierten Abschnitte, sondern wilde, teils verfallene Mauerstücke, über die ich mich 31 Kilometer und rund 1500 Höhenmeter weit kämpfen musste. Bei knapp 35°C ging es über Stock und Stein, durch steinige Flussläufe, durch staubige Wege und durchs Gestrüpp – anstrengender und technischer, als ich es erwartet hatte.
Zwischendurch, wenn ich für einen Moment aufblicken konnte, wurde ich mit einer unglaublichen Aussicht auf die Mauer und die umliegenden Berge belohnt.
Kurz vor dem Ende führte die Strecke durch ein kleines, abgelegenes Dorf. Dort saßen die alten Dorfbewohner am Straßenrand, beobachteten das Rennen und feuerten jeden Läufer an, der vorbeikam. Genau in dem Moment, in dem die Beine langsam schwer wurden, gab mir das noch einmal einen unerwarteten Energieschub für die letzten Kilometer.






Nach Stunden in der Hitze, mit müden Beinen, war der Zieleinlauf ein besonderer Moment – Erschöpfung und Stolz zugleich, sich durch dieses Gelände gekämpft zu haben.
Peking abseits der Mauer
Neben dem Lauf blieb auch genug Zeit, um die Stadt selbst zu erkunden. Peking spürt man auf Schritt und Tritt als eine Stadt mit jahrhundertealter Geschichte – kaiserliche Paläste, alte Tempelanlagen und Mauerreste tauchen immer wieder zwischen der modernen Millionenmetropole auf. Am meisten beeindruckt hat mich dabei aber gar nicht so sehr die Geschichte selbst, sondern die Art, wie sie in der Stadt eingebettet ist.
Viele der historischen Anlagen liegen nämlich nicht einfach isoliert irgendwo in der Stadt, sondern sind Teil großzügig angelegter Parks. Zwischen alten Mauern, Höfen und Dächern erstrecken sich weitläufige Grünflächen mit altem Baumbestand, kleinen Seen und schattigen Wegen. Gerade an den doch recht warmen Tagen war das Gold wert – ich habe mir mehr als einmal eine Bank unter einem der alten Bäume gesucht, um dem Trubel und der Hitze für ein paar Minuten zu entkommen, bevor es weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit ging. Diese Kombination aus Geschichte und Natur hat mir das Sightseeing in Peking deutlich angenehmer gemacht, als ich es erwartet hatte, und gleichzeitig für ein paar richtig schöne, ruhige Momente mitten in der Großstadt gesorgt.







Ein völlig anderes, aber nicht weniger spannendes Erlebnis war der Besuch im 798 Art District. Das Viertel im Nordosten der Stadt war früher ein Industriegebiet mit großen Fabrikhallen, die heute von unzähligen Galerien, Ateliers und Kunstausstellungen bespielt werden. Ich habe mir dort einen ganzen Nachmittag Zeit genommen und bin einfach von Halle zu Halle gezogen, ohne wirklich einen Plan zu haben. Jede Ausstellung hatte dabei ihren ganz eigenen Charakter – von großformatiger, provokanter zeitgenössischer Kunst über ruhige Fotografie-Ausstellungen bis hin zu kleinen, experimentellen Installationen war alles dabei. Genau diese Vielfalt und der raue Industrie-Charme der alten Fabrikhallen, kombiniert mit moderner Kunst, haben das 798 Art District zu einem meiner persönlichen Highlights in Peking gemacht.
Zwischen schweißtreibenden Kilometern auf der Mauer und ruhigen Nachmittagen in Pekings Parks und Galerien war diese Reise ein perfekter Mix aus Herausforderung und Entdeckung – und definitiv einer der Höhepunkte meines Jahres in China bisher.

